08.04.2011

Zwanzig Jahre Werner-von-Siemens-Schule in Niedergirmes

„Wir gestalten Zukunft“

Zwanzig Jahre Werner-von-Siemens-Schule Wetzlar in Niedergirmes-Naunheim – ein Grund zum Feiern. Am 8. April lud die Schulleitung Partner und Freunde, Vertreter von Politik, Wirtschaft, der Schulaufsichtsbehörde, ehemalige und aktuelle Kolleginnen und Kollegen ein, dieses Jubiläum würdig zu begehen. „Wir gestalten Zukunft“ war das Motto der Veranstaltung im Atrium des regionalen Berufsschulzentrums, zu der sich rund 70 geladene Gäste eingefunden hatten. Der Bläserchor Dutenhofen umrahmte die Feier musikalisch, eine Ausstellung im Atrium dokumentierte Entwicklungsschritte des Neubaus. Schulleitung und Mitglieder des Kollegiums führten die Besucher durch mit moderner Technik ausgestattete Werkstätten und Fachräume. Und ab diesem 8. April 2011 ziert eine weitere Skulptur das lichtdurchflutete Atrium der Siemensschule: Der Ring – in der Realität ein Stoßdämpfer für Windkraftwerke, Durchmesser 1,80 Meter, ab jetzt Erinnerung an das Jubiläum und Symbol für geglückte Zusammenarbeit.

 

Erwin Greis, 32 Jahre Lehrer an der Werner-von-Siemens-Schule und von 1980 bis 1997 Mitglied des Schulleitungsteams, hatte es übernommen, die Etappen des langen und mühevollen Weges zum Neubau der ehemaligen gewerblichen Berufsschule Wetzlar in den Lahnauen Revue passieren zu lassen. Bevor es zur offiziellen Schlüsselübergabe am 16. Januar 1991 kam, ging es oft turbulent zu. Das ehemalige Schulgebäude in der Innenstadt Wetzlars war bereits 1972 zu eng geworden. Im Juni 1977 schrieb die Wetzlarer Neue Zeitung von der „katastrophalen Raum- und Personalnot an der Siemensschule“. Die Idee der Umverteilung der Schüler auf andere Schulen entfachte in der Öffentlichkeit Stürme der Entrüstung. Der Plan des Neubaus in Niedergirmes rief eine Bürgerinitiative ins Leben, um das Naherholungsgebiet Lahnauen zu retten. Zunächst erfolglos, gelang es ihr, einen vorläufigen Baustopp bis Mai 1986 zu erwirken. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel forderte die Änderung der Baupläne – zweigeschossige statt dreigeschossige Bauweise. Schülern und Lehrern der Siemensschule platze schließlich der Kragen und gemeinsam zogen sie am 30. April 1986 – „diszipliniert, aber zornig“, wie Greis anmerkte – vors Wetzlarer Kreishaus. Der Baustopp wurde aufgehoben.

 

Grundsteinlegung am 26. Februar 1988, Richtfest am 18. Januar 1989, schließlich Schlüsselübergabe und offizieller Einzug von Lehren und Schülern am 18. Januar 1991: Nach 18 Jahren fand der Unterricht der Werner-von-Siemens-Schule, wie die gewerbliche Berufsschule Wetzlar seit dem 150. Geburtstag Werner von Siemens’ am 13. Dezember 1966 heißt, in modernen, hellen Räumen des architektonisch gelungenen, repräsentativen Neubaus in Niedergirmes-Naunheim statt.

 

Schulleiter Dieter Agel warf einen Blick in die Zukunft der Werner-von-Siemens-Schule und die Entwicklung der beruflichen Bildung. Abnehmende Schülerzahlen und die rasante technische Entwicklung verschöben die Aufgabe der berufsbildenden Schule immer weiter in den Bereich der Qualifizierung nach der Ausbildung. Angedacht und zielführend nicht nur dafür sei der Zusammenschluss aller Schulen für Erwachsene der Lahn-Dill-Region zum „Hessen-Campus Lahn-Dill-Wetzlar“, um marktgerechte Bildungsangebote zu entwickeln, Synergien und die vorhandenen Ressourcen gemeinsam besser zu nutzen. Umbrüche und Veränderungen stünden bevor mit der Übernahme von mehr Eigenverantwortung der Schule im Rahmen des Programms „Selbstständige Berufliche Schule“, das den Handlungsspielraum von Schulleitung und Kollegium enorm erweitere und so große Chancen, aber auch Risiken berge.

 

Für eine angenehme Überraschung sorgten drei Kooperationspartner der Abteilung Berufskraftfahrer: Uwe Jung, Niederlassungsleiter von Europart, Maintal, Jean Baudys, Geschäftsführer Vertrieb BBG-Automotive Frankfurt und Dirk Blitz, Geschäftsführer der Spedition Blitz in Groß-Umstadt überreichten einen „Schulungskoffer Digitaler Tachograf“ im Marktwert von rund 3000 Euro. Damit lassen sich Alltagssituationen am Steuer des LKW im Klassenraum realitätsnah simulieren.

 

Vor dem Kaffeetrinken hatten die Gäste Gelegenheit, sich die drei neuen CNC-gesteuerten Werkzeugmaschinen im Erdgeschoss anzusehen, die 2010 für rund 400.000 Euro angeschafft wurden. Diese auch in der Industrie üblichen Fräs- und Drehmaschinen neuester Generation dienen der Konstruktion und Herstellung geometrisch komplizierter Formen aus Metall, Kunststoff, Holz und Plattenwerkstoffen, zum Beispiel im Auto- oder Flugzeugbau und der industriellen Möbelfertigung. In der Werner-von-Siemens-Schule werden Auszubildende der Berufsfelder Metall-/ Holztechnik, Techniker und die Schüler des Beruflichen Gymnasiums in dieser Technik ausgebildet und erwerben so Schlüsselqualifikationen in einem Herstellungsverfahren, das in der modernen Industrie mittlerweile zum Standard gehört und dessen formgebende Möglichkeiten bislang noch gar nicht ausgeschöpft sind.

 

 

 
Der Ring – ab jetzt Erinnerung an das Jubiläum und Symbol für geglückte Zusammenarbeit. Karl Heinz Sellig hatte dieses „faszinierende Werkstück“ einst beim Unternehmen Bruno Becker in Dutenhofen entdeckt. Mit tatkräftiger Unterstützung von Kollegen, Schülern und befreundeten Ausbildungsbetrieben wurde der Ring zur glänzenden Skulptur im lichtdurchfluteten Atrium der Schule. Schulleiter DieterAgel bedankte sich herzlich bei allen Beteiligten für das große Engagement.