Werner von Siemens

 

Werner von Siemens (1816 – 1892) gilt als bedeutender deutscher Erfinder, Unternehmer und Mitbegründer der Elektrotechnik. Während seiner Zeit bei der preußischen Artillerie erwarb er sich technische und naturwissenschaftliche Kenntnisse. Um nach dem frühen Tod der Eltern für seine jüngeren Geschwister sorgen zu können, suchte er erste erfolgreiche Erfindungen wie die galvanische Versilberung und Vergoldung (1842) sowie den Dampfregulator mit seinem nach England gegangenen Bruder Carl Wilhelm zu vermarkten. 1846 gründete er zur Verwertung eines 1846 erfundenen elektrischen Zeigertelegrafen mit dem Mechaniker J.G. Halske die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske, die die Keimzelle des Unternehmens Siemens wurde; in ihr wurde auch besonders isoliertes Leitungsmaterial hergestellt. Siemens führte für die Verlegung im Erdreich die nahtlos mit Guttapercha umkleideten Leitungen ein. Nach dem Bau mehrerer Telegrafenlinien, unter anderem von Berlin nach Frankfurt am Main, schied er 1849 aus der Armee aus und widmete sich ganz seiner Firma und der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Telegrafie. Auseinandersetzungen mit der preußischen Telegrafenverwaltung gefährdeten das Unternehmen, doch der Bau von Telegrafenlinien in Russland gab dem Geschäft neuen Auftrieb und führte 1853 zur Gründung einer Zweigniederlassung in Petersburg unter seinem Bruder Carl. Hinzu kamen weitere Erfindungen (Induktor mit Doppel-T-Anker, Alkoholmeter) und die Beteiligung an der Verlegung von Tiefseekabeln. Mit der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips und der Entwicklung der Dynamomaschine (1866) leitete Siemens die Starkstromtechnik ein, die neben weiteren Erfindungen als neues Betätigungsfeld der Firma Siemens & Halske zu einem stetigen Aufstieg verhalf. Siemens führte 1879 die erste funktionstüchtige elektrische Lokomotive vor, baute 1880 den ersten elektrischen Aufzug und 1881 die erste elektrische Straßenbahn. 1890 zog er sich von der Firmenleitung zurück.

Siemens verband hohe wissenschaftliche Begabung mit großem erfinderischen Geschick sowie geschäftlichem Weitblick und gehört damit zu den bedeutenden Persönlichkeiten in der Entwicklung der deutschen Industrie. Er engagierte sich auch politisch und sozial. Siemens unterstützte die Deutsche Revolution 1848/49. 1860 wurde er Mitglied des liberalen Deutschen Nationalvereins. 1861 war er Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei (DFP). 1863 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und gehörte ihm bis 1866 an.

Siemens machte sich schon früh Gedanken um das Schicksal seiner Mitarbeiter. Die normale Entlohnung erschien ihm nicht ausreichend: „Mir würde das Geld wie glühendes Eisen in der Hand brennen, wenn ich den treuen Gehülfen nicht den erwarteten Anteil gäbe“, sagte er. Leitende Mitarbeiter hatten schon seit Mitte der 1850er Jahre Verträge, die ihnen erfolgsabhängige Tantiemen zusicherten, rangniedrigere Mitarbeiter bekamen Prämien. Ab Mitte der 1860er zahlte Siemens & Halske eine so genannte Inventurprämie an alle Arbeiter und Angestellten, eine frühe Form des Leistungsanreizes und ein Vorläufer der heutigen Erfolgsbeteiligung. Dies alles waren Maßnahmen, um qualifizierte Mitarbeiter an Siemens & Halske zu binden und einen festen Arbeiterstamm zu bilden. 1872 gründete Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse. Eine weitere sozialpolitische Maßnahme war die 1873 erfolgte Einführung des 9-Stunden-Arbeitstags.

1860 wurde Werner Siemens von der Universität Berlin die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Auf der Weltausstellung in Paris 1867, wo Siemens seinen nach dem dynamoelektrischen Prinzip arbeitenden Generator ausstellte, wurde er mit dem Orden der Französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Werner Siemens 1874 als Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. 1880 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt und 1886 wurde ihm der Orden Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften verliehen. In Anerkennung seiner Verdienste um Wissenschaft und Gesellschaft wurde Siemens durch Kaiser Friedrich III. 1888 in den Adelsstand erhoben. Werner von Siemens starb am 6. Dezember 1892 in Berlin.